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„Wenn es Sinn macht, ziehe ich auch mal Schuhe an“: Mit dem Barfußwanderführer das Eggental erleben

03.05.2022 Natur, Persönlichkeiten des Eggentals, Wandern Eggental

Er kennt das Südtiroler Eggental seit seiner Kindheit – und hat doch oft einen anderen Blickwinkel darauf. Barfußwanderführer Alexander Bisan motiviert Menschen gerne dazu, die Schuhe auszuziehen und sich ganz auf das hier und jetzt einzulassen. Sei es bei einer abendlichen Fackelwanderung zu einem mystischen Kraftplatz oder einer geologischen Führung durch die Bletterbachschlucht. Insgesamt werden von 21. Mai bis zum 1. November mehr als 20 geführte Wanderungen angeboten, um das Dolomiten UNESCO Erbe zu erleben. 

Am liebsten läuft er barfuß los. Übrigens auch im Winter. „Wenn es Sinn macht, ziehe ich aber auch mal Schuhe an“, erklärt Alexander Bisan grinsend. Fragen zu seinem fehlenden Schuhwerk ist der Barfußwanderführer schon gewöhnt. Seit fast fünf Jahren macht er fast alles mit blanken Sohlen, dazu inspiriert wurde er von einem Freund. „Schuhe sind ein technisches Hilfsmittel wie Handys. Manchmal sind sie gut zu gebrauchen, aber nicht dauernd. Zieht die Wanderstiefel doch kurz aus und probiert den Unterschied.“ 

Also Schnürsenkel aufmachen, raus aus den klobigen Tretern, runter mit den Wandersocken. Der Waldboden ist überraschend weich und federt schön beim Gehen. Die Nadeln kitzeln, die Wurzeln und Steine sind schon fast zu viel. Zu wenig Hornhaut, eindeutig. „Barfuß gehen ist ein ganz anderes Lebensgefühl und noch dazu gesund“, erzählt unser Guide. Er spricht vom natürlichen Pumpeffekt, der das Herz unterstützt, von Entgiftung über die Füße und schnellerer Regeneration. Da haben die ersten ihr Schuhwerk schon wieder an. Es sind auch so schon genug Eindrücke auf der geführten Abendwanderung, die Alexander jeden Donnerstag von Deutschnofen aus startet. 

Mit Fackeln ist der kleine Wandertrupp vom Oberkoflhof in Richtung der kleinen Kirche St. Agatha losgezogen. Bald hat uns der Wald verschluckt. Man sieht weniger als tagsüber, dafür hört man plötzlich besser. Es raschelt im Unterholz, von der anderen Seite her ruft ein Vogel. Der Weg ist einfach und nahezu ohne Höhenunterschiede, daher kann man sich gut auf seine Umgebung konzentrieren. Unvermittelt kommt St. Agatha ins Blickfeld. Geradezu mystisch steht sie einsam auf einer kleinen Anhöhe und zeichnet sich hell vor dem Nachthimmel ab. Sie gilt im Eggental als Kraftplatz – also als ein Ort, an dem man abschalten und die Natur auf sich wirken lassen kann. 

Oben angekommen werden im Fackelschein die Reste alter Wandmalereien sichtbar. „Das hier sind St. Christophorus und Jesus, hier drüben seht ihr Darstellungen aus dem Leben der Märtyrerin Agatha. Ihr ist diese Kirche geweiht“, erläutert Alexander. Er hat den Schlüssel zum Bauwerk, das 1318 erstmals urkundlich erwähnt und im 17. Jahrhundert umfassend restauriert wurde. Während die einen sich drinnen die Sandsteinkanzel und den Altar mit kostbaren Schnitzereien anschauen, genießen die anderen draußen die besondere Atmosphäre des alten Gemäuers und von der Holzbank an der Rückseite der Kirche den Panoramablick auf den berühmten Rosengarten – im Mondlicht beinahe kitschig schön. 

„Wir haben hier eine gute Mischung aus Mittelgebirge und den mächtigen Dolomitengebirgszügen wie Rosengarten und Latemar“, so der 48-Jährige. Also genügend Möglichkeiten für Spaziergänge und leichte Wanderungen, aber auch für ordentliche Bergtouren durchs UNESCO Welterbe. Insgesamt gibt es ein Wanderwegenetz mit mehr als 500 Streckenkilometern sowie 140 Quadratkilometer Wald und freie Wiesen zu entdecken. Entweder individuell oder man zieht mit erfahrenen Guides los. Mehr als 20 geführte Wanderungen werden angeboten: Mal zum Sonnenuntergang mit Südtiroler Jause aufs Weißhorn, mal in Südtirols Canyon – die Bletterbachschlucht – oder auf historischen Spuren von Kaiserin Sissi. Die Sommer dauern hier beneidenswert lange. Wenn einer dabei barfuß unterwegs ist, ist das vermutlich Alexander Bisan. Einfach ansprechen: Der Wanderführer und Erlebnispädagoge hat immer Tipps parat, wie man die Lebensqualität steigern kann. Nicht nur im Urlaub. 

Infos zur geführten Fackelwanderung
Los geht es jeden Donnerstag von 26. Mai bis 27. Oktober um 20.30 Uhr vom Oberkofl Hof bei Deutschofen. Die drei Kilometer lange einfache Tour dauert rund eineinhalb Stunden und ist kostenlos. Alle geführten Wanderungen unter https://eggental.com/de/Sommer/Wandern-Klettern/Gefuehrte-Wanderungen 


Über das Eggental
Die sieben Orte des Eggentals liegen nur 20 Kilometer von der Autobahnausfahrt Bozen Nord. Das Gebiet wird erstreckt sich über 200 Quadratkilometer, davon sind 70 Prozent Waldfläche. Wanderer haben im Angesicht des Dolomiten UNESCO Welterbes mit Rosengarten und Latemar gut 500 Kilometer markierter Wege zur Auswahl. Unter besonderem Schutz stehen die Naturparks Schlern-Rosengarten und die Bletterbachschlucht. Insgesamt 30 Hütten und Buschenschänken bieten Südtiroler Köstlichkeiten an und laden auf ihren großen Sonnenterrassen zum Einkehren ein. Die rund 5000 Gästebetten verteilen sind sich auf 17 Hotels im 4-Sterne-Bereich sowie auf weitere 45 Hotels im 3-Sterne Bereich. Fast 100 Prozent der Unterkünfte – darunter Apartments für unterschiedliche Ansprüche – sind klein und familiengeführt. Die Orte und Berge des Eggentals kann man dank des sanften Mobilitätsangebot auch ohne Auto erkunden

Weitere Infos
Eggental Tourismus, Dolomitenstraße 4, I-39056 Welschnofen, 
Tel.: 0039/0471/619500, info@eggental.com, www.eggental.com