Ski Center Latemar

38. Europacup FIS Slalom 15.12.2021

15/12/21: Slalom-Weltklasse auf der Maierlpiste

1. Lauf um 10:00 Uhr, 2. Lauf um 13:00 Uhr

TV-Übertragung auf RaiSport am Freitag, den 17. Dezember ab 13 Uhr.

 

Nach einem Jahr Pause wegen der Coronapandemie kehrt der Europacup nach Obereggen zurück: Am Mittwoch, 15. Dezember, wird auf der anspruchsvollen Maierlpiste der traditionsreiche Europacupslalom ausgerichtet. Es darf damit gerechnet werden, dass in diesem Olympiawinter zahlreiche Weltcupstars nach Obereggen kommen, denn nur ein einziger Weltcupslalom steht vor Obereggen im Kalender, nämlich jener vom 12. Dezember in Val d’Isere. Im Europacup ist Obereggen sogar das Slalom-Auftaktrennen.

Genau genommen hat es in Obereggen sogar schon zwei Jahre lang keinen Sieger gegeben. 2019 musste der Slalom aufgrund ungewöhnlich hoher Temperaturen nach 64 Läufern abgebrochen werden – es war der erste Ausfall seit 2000 und überhaupt erst der vierte in der fast 40-jährigen Geschichte nach 1994, 1996 und 2000. 2020 dann fiel das Rennen der Coronapandemie zum Opfer – genauso wie der gesamte Skiwinter.

Obereggen blickt aber nicht zurück, sondern nach vorne. Zahlreiche Weltcupstars sowie vielversprechende Athleten, die es noch werden möchten, werden auf der anspruchsvollen Maierlpiste am Start sein. Das war immer so in den vergangenen Jahrzehnten.

Erstens liegt das am günstigen Termin zu Saisonbeginn, wenn die Topathleten noch Wettkampfpraxis benötigen und daher ein Europacuprennen gerne „mitnehmen“.

Zweitens nimmt Obereggen eine Sonderrolle im Europacup ein und wurde bereits als „Kitzbühel des Europacups“ betitelt – immerhin ist Obereggen die traditionsreichste Europacupstation überhaupt im Skizirkus, die erste Auflage fand 1983 statt. Ein Sieg in Obereggen hat Prestige, denn dort standen schon unzählige Olympia- und Weltcupsieger sowie Weltmeister auf dem Podest.

Drittens war Obereggen schon oft ein Glücksbringer. Wer in Obereggen gut fährt, tankt Selbstvertrauen für die Saison. In einem Olympiawinter wie diesem muss stellvertretend das Beispiel von Giuliano Razzoli genannt werden, der sich wenige Wochen nach seinem Obereggen-Triumph von 2009 zum Olympiasieger kürte.

Kurzum, Obereggen ist alljährlich ein überdurchschnittlich gut besetztes Europacuprennen.

Ein Argument mehr, einen Abstecher nach Obereggen zu machen, ist für die Skiasse seit 2016 die Maierlpiste. Sie hat die Oberholz als Rennpiste abgelöst und sich einen Namen gemacht als äußerst selektive und durchaus weltcupwürdige Slalompiste. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Maierlpiste mit ihrer maximalen Neigung von 55 Prozent selbst für die besten Slalomläufer der Welt eine Herausforderung ist.

Die Maierlpiste – eine Herausforderung

Die Maierlpiste, auf der der Europacupslalom von Obereggen seit 2016 ausgetragen wird, existiert seit 2005. Mit einer maximalen Neigung von 55 Prozent überwindet sie auf 1,6 Kilometern Länge 433 Höhenmeter. Der Slalomhang, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Oberholzpiste befindet, wo der Europacup 33 Jahre lang ausgetragen wurde, hat in den vergangenen Jahren gezeigt, selbst für die Topstars eine absolute Herausforderung zu sein – und der Garant für ein spektakuläres Rennen.

Erreicht wird die Maierlpiste über die Telemix-Bahn „Laner“, ausgestattet mit Sechsersesseln und Achterkabinen. Sie ersetzt seit Dezember 2016 den fix geklemmten Vierersessellift und schließt unmittelbar an die Bergstation der Ochsenweide-Kabinenbahn an.

Der Termin

Der Obereggen-Termin Mitte Dezember hat Tradition: Am Mittwoch, 15. Dezember, findet der Europacupslalom auf der Maierlpiste statt, zeitgleich mit dem ersten Abfahrtstraining beim Weltcup in Gröden.

Während die weltbesten Abfahrer in Gröden am Start sind, bietet sich Obereggen den Slalomstars für einen Abstecher in den Europacup an – heuer vielleicht noch mehr als in anderen Jahren. Vor dem Europacupslalom in Obereggen findet nur ein einziger Weltcupslalom statt, nämlich jener vom 12. Dezember in Val d’Isere, bevor es für die Weltcup-Athleten weitergeht nach Alta Badia zum Riesentorlauf am 19. Dezember und nach Madonna di Campiglio zum Slalom am 22. Dezember. Für die Slalomstars liegt Obereggen somit auf dem Weg zwischen Val d’Isere und Alta Badia und ist eine der wenigen Gelegenheiten, zu Saisonstart Wettkampfpraxis zu sammeln, weshalb – so wie jedes Jahr – zahlreiche Weltcupathleten auf der Maierlpiste am Start sein werden.

Im Europacup ist Obereggen sogar der erste Slalom der Saison.

Obereggen im Olympiawinter

Wer nie in Obereggen am Start war, wird auch nie eine Olympiamedaille gewinnen! So oder ähnlich lassen sich die Ergebnislisten in den technischen Disziplinen der jüngsten zwei Olympischen Winterspiele in Sotchi (2014) und Pyeongchang (2018) interpretieren. Sowohl in Sotchi als auch in Pyeongchang landeten auf dem Podest von Slalom und Riesentorlauf ausschließlich ehemalige Obereggen-Starter. Heuer ist wieder ein Olympiawinter: Peking ist im Februar Gastgeber.

Amtierender Slalom-Olympiasieger ist „Mister Obereggen“ Andre Myhrer (Sieger 2004, 2005, 2007 und 2010). Hinter ihm holte in Pyeongchang der Schweizer Ramon Zenhaeusern Silber, der ein Stammgast in Obereggen ist und als beste Ergebnisse einen zweiten (2015) und einen vierten (2017) Platz vorweisen kann. Bronze ging bei Olympia 2018 an Michael Matt, der 2011 in Obereggen mit 18 Jahren sein Europacupdebüt gefeiert hatte.

In einem Olympiawinter wie diesem werden auch Erinnerungen an Giuliano Razzoli wach: Der Azzurro kürte sich wenige Wochen nach seinem Obereggen-Triumpf 2009 zum Slalom-Olympiasieger.

Der amtierende Weltcupgesamtsieger Alexis Pinturault war ebenfalls einst in Obereggen am Start – interessanterweise sah er bei drei Versuchen (2008, 2009 und 2010) nie das Ziel.

Nach Obereggen kommen sie irgendwann alle. Entweder tun sie es als junge, vielversprechende Talente, oder sie tun es als etablierte Weltcupstars auf der Suche nach Wettkampfpraxis.

Auch Ausnahmekönner Marcel Hirscher, mit acht Weltcupgesamtsiegen in Folge, sieben Weltmeistertiteln und zwei Olympiasiegen der erfolgreichste Skirennläufer aller Zeiten, machte in Obereggen eine gute Figur: 2007 landete er als 18-Jähriger auf dem dritten Rang.

In der langen Liste an Weltcupsiegern, Weltmeistern und Olympiasiegern, die in Obereggen auf dem Podest standen, finden sich neben Myhrer, Hirscher und Razzoli unter anderem auch Reinfried Herbst, Manfred Pranger, Alberto Tomba, Benjamin Raich, Stephan Eberharter, Kristian Ghedina, Luc Alphand, Tomas Fogdoe, Rudi Nierlich, Armin Bittner und Peter Müller.

Als der Deutsche Egon Hirt 1983 den allerersten Obereggener Europacup gewann, konnte er nicht ahnen, welch prestigereiche Namen ihm nachfolgen würden.

Die Organisatoren

Dass Obereggen im Skizirkus einen so guten Ruf genießt, ist der akribischen Arbeit der Organisatoren zu verdanken. Der SC Rosengarten, der SC Eggen, die Skischule Obereggen und die Obereggen AG leisten Jahr für Jahr ganze Arbeit.

Rennleiter und OK-Präsident ist Eduard Pichler, der 2014 den langjährigen „Chef“ Siegfried Gallmetzer abgelöst hat. Marco Zendron folgte zeitgleich als Vizepräsident auf Luciano Pezzin.

Sowohl Gallmetzer als auch Pezzin gehören übrigens nach wie vor dem OK-Team an und tragen mit ihrer Erfahrung zum Gelingen der Veranstaltung bei. Gallmetzer und Pezzin gehören dem Komitee seit dem ersten Rennen 1983 an. Seinen Beitrag leistet seit jeher auch Siegfried Pichler, der Direktor der Obereggen AG, der dem OK-Team unterstützend zur Seite steht.

Unvergessen: Karl und Peter Pichler, Bruno Fusmini

Gewidmet ist der Europacup in Obereggen seit seiner Geburt den beiden Eggentaler Brüdern KARL UND PETER PICHLER, die beide für den Skisport lebten und beide auf tragische Weise ums Leben kamen, als sie wieder einmal für „ihren“ Sport unterwegs waren – Peter 1977 bei einem Lawinenunglück am Jochgrimm, Karl 1982 bei einem Verkehrsunfall in Neuseeland, wo er sich als Trainer der italienischen Nationalmannschaft aufhielt.

Eng verbunden ist der Europacup von Obereggen noch mit einem weiteren Namen: Mitbegründer Bruno Fusmini war von 1983 bis 1999 Rennleiter.

In Gedenken an Jakob Kerer

Zum ersten Mal muss der Europacup in Obereggen heuer auf Jakob Kerer verzichten, der im Sommer 2020 kurz nach seinem 72. Geburtstag allzu früh verstorben ist. Jakob Kerer war von Anfang an ein zuverlässiges und verantwortungsbewusstes Mitglied des Europacupkomitees. Seine Erfahrung war ein großer Pluspunkt für die Organisatoren. Nicht nur beim Europacuprennen, sondern auch bei anderen Skirennen stellte er bei der Organisation und Abwicklung seinen Mann, etwa bei der Zeitnehmung, und wirkte bei verschiedenen Veranstaltungen mit.

Das war der Europacup Obereggen 2019

Alles war angerichtet für ein hochklassiges Rennen, mit vier Läufern aus den Top 20 der FIS-Weltrangliste (Giuliano Razzoli, Istok Rodes, Stefano Gross und Sebastian Foss-Solevaag) und unzähligen Top-50-Athleten. Doch am Ende waren Regen, Nebel, milder Wind und ungewöhnlich hohe Temperaturen die Spielverderber: Zum ersten Mal seit 2000 und überhaupt erst zum vierten Mal in der über 35-jährigen Geschichte nach 1994, 1996 und 2000 konnte beim Europacup in Obereggen witterungsbedingt kein Sieger gekürt werden. Noch am Wochenende zuvor hatten traumhafte Pistenbedingungen geherrscht – das als ungemein schneesicher geltende Obereggen hat mit seinem Europacuprennen schlicht ein ungünstiges Zeitfenster erwischt.

Die Organisatoren hatten alles versucht, aber nach 64 Läufern musste das Rennen abgebrochen werden. „Die Piste war völlig aufgeweicht, die Verletzungsgefahr für die Athleten zu groß“, sagte ein enttäuschter Rennleiter und OK-Chef Eduard „Edi“ Pichler. Zum Zeitpunkt des Abbruchs führte der kroatische Titelverteidiger Istok Rodes.

Somit ist der Titelverteidiger 2021 der Obereggen-Sieger von 2018: Damals folgte Istok Rodes als Obereggen-Sieger seinem kroatischen Landsmann Matej Vidovic nach, er siegte vor Ex-Olympiasieger Giuliano Razzoli. Die Kroaten platzierten 2018 neben Rodes auch noch Elias Kolega (Dritter) und Titelverteidiger Matej Vidovic (Fünfter) unter den Top 5.