Ski Center Latemar

36. Europacup FIS Slalom Obereggen

Spektakel auf der Maierlpiste

Ob sich Marcel Hirscher noch daran erinnert, wie er 2007 als 18-Jähriger ganz zu Beginn seiner Karriere in Obereggen Dritter wurde? Der Ausnahmekönner, der Anfang September nach acht Weltcupgesamtsiegen in Folge seinen Rücktritt vom aktiven Skisport erklärt hat, ist einer von unzähligen großen Namen, die sich auf dem Podest des Obereggner Europacups verewigt haben.

Am Mittwoch, 18. Dezember, ist es wieder soweit. Dann werden wieder zahlreiche Weltcupstars sowie Stars von morgen beim traditionsreichen Europacupslalom am Start sein. Das Rennen liegt für die Besten in den technischen Disziplinen auch heuer günstig zwischen den Weltcupstationen Val d’Isere und Alta Badia.

Ein Argument mehr, einen Abstecher nach Obereggen zu machen, ist für die Skiasse seit 2016 die Maierlpiste. Sie hat die Oberholz als Rennpiste abgelöst und sich einen Namen gemacht als äußerst selektive und durchaus weltcupwürdige Slalompiste. Die vergangenen drei Jahre haben gezeigt, dass die Maierlpiste mit ihrer maximalen Neigung von 55 Prozent selbst für die besten Slalomläufer der Welt eine Herausforderung ist.

Es ist dies eine standesgemäße Rennstrecke für eine Europacup-Station, welche schon als „Kitzbühel des Europacups“ betitelt wurde und welche kein gewöhnlicher Europacup ist. Erstens handelt es sich mit einer über 35-jährigen Geschichte seit der ersten Auflage 1983 um den traditionsreichsten Europacup überhaupt im Skizirkus. Zweitens beheimatet Obereggen alljährlich einen „halben Weltcup“, weil regelmäßig so viele Weltcupstars am Start sind wie bei kaum einem anderen Europacuprennen. Drittens ist Obereggen ein Veranstaltungsort mit Renngarantie, denn seit der ersten Ausgabe 1983 fiel das Rennen nur zwei Mal witterungsbedingt aus, das letzte Mal vor nunmehr 19 Jahren (2000). Eine solche Serie sucht im Welt- und Europacup ihresgleichen.

 

Die Maierlpiste – eine Herausforderung

 

Die Maierlpiste, auf der der Europacupslalom von Obereggen heuer zum vierten Mal ausgetragen wird, existiert seit 2005. Mit einer maximalen Neigung von 55 Prozent überwindet sie auf 1,6 Kilometern Länge 433 Höhenmeter. Der Slalomhang, der sich übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft zur Oberholzpiste befindet, wo der Europacup 33 Jahre lang ausgetragen wurde, hat in den vergangenen Jahren gezeigt, selbst für die Topstars eine absolute Herausforderung zu sein – und der Garant für eine spektakuläres Rennen.

Erreicht wird die Maierlpiste über die Telemix-Bahn „Laner“, ausgestattet mit Sechsersessel und Achterkabinen. Sie ersetzt seit Dezember 2016 den fix geklemmten Vierersessellift und schließt unmittelbar an der Bergstation der Ochsenweide-Kabinenbahn an.

 

Der Termin

Drei Tage nach dem Weltcupslalom von Val d’Isere bietet sich der Europacupslalom von Obereggen am 18. Dezember auch heuer den Weltcupläufern als Zwischenstation auf dem Weg nach Alta Badia an.

Dass viele Weltcupathleten in Obereggen am Start sind, hat Tradition. Kaum ein anderes Europacuprennen ist so gut besetzt, auch deshalb, weil im Dezember die Weltcupslaloms traditionell dünn gesät sind und viele Slalomspezialisten daher Wettkampfpraxis suchen. So wird es auch heuer sein, denn nach dem Weltcupauftakt mit einem Riesentorlauf am 27. Oktober und dem traditionellen Abstecher nach Nordamerika findet der erste Weltcupslalom der Saison erst am 15. Dezember in Val d’Isere statt. Bis zum zweiten Weltcupslalom in Zagreb dauert es dann bis zum 5. Jänner. Und so ist durchaus möglich, dass einige Stars, die normalerweise nicht im Europacup zu sehen sind, von Val d'Isere nach Obereggen kommen, bevor sie zum Weltcup-Riesentorlauf nach Alta Badia (22.-23. Dezember) weiterreisen.

Im Europacup sind die Slaloms im Dezember zahlreicher: Obereggen ist nach Funesdalen (Schweden, zwei Slaloms am 29. und 30. November) und Fassa (16. Dezember) bereits die dritte Slalomstation.

 

Hirscher, Kristoffersen und die anderen

Nach acht Weltcupgesamtsiegen in Folge, sieben Weltmeistertiteln und zwei Olympiasiegen hat der Österreicher Marcel Hirscher im September 2019 seinen Rücktritt vom alpinen Skirennsport bekanntgegeben. 2007 landete er als 18-Jähriger in Obereggen auf dem dritten Rang.

Damit führt der Ausnahmekönner eine ellenlange Liste von Weltcupsiegern, Weltmeistern und Olympiasiegern an, die in Obereggen auf dem Podest standen. Darunter befindet sich auch der amtierende Slalom-Olympiasieger Andre Myhrer, der mit den Triumphen von 2004, 2005, 2007 und 2010 der Rekordsieger in Obereggen ist. Und darunter befinden sich Giuliano Razzoli, Reinfried Herbst, Manfred Pranger, Alberto Tomba, Benjamin Raich, Stephan Eberharter, Kristian Ghedina, Luc Alphand, Tomas Fogdoe, Rudi Nierlich, Armin Bittner, Peter Müller und so weiter und so fort.

Als der Deutsche Egon Hirt 1983 den allerersten Obereggener Europacup gewann, konnte er nicht ahnen, welch prestigereiche Namen im nachfolgen würden.

Nie auf das Obereggen-Podest geschafft hat es hingegen Henrik Kristoffersen. Der Norweger, amtierender Riesentorlauf-Weltmeister und in den vergangenen vier Saisonen immer unter den Top 3 der Weltcupgesamtwertung, wurde in Obereggen 2012 als 18-Jähriger Elfter.

Ein weiterer Ausnahmekönner, Alexis Pinturault, sah bei drei Obereggen-Versuchen (2008, 2009, 2010) interessanterweise nie das Ziel.

Der Obereggen-Dritte von 2017, Clement Noel, war im vergangenen Weltcupwinter die Nummer 2 im Slalom hinter dem „Außerirdischen“ Marcel Hirscher.

Übrigens: Der Obereggen-Sieger von 2018, Istok Rodes, gewann im vergangenen Winter die Europacup-Slalomwertung, genauso wie der Obereggen-Sieger von 2017, Matej Vidovic, ein Jahr zuvor. Siege in Obereggen sind ein gutes Omen.

 

 

 

Das war Obereggen 2018

Kroatische Festspiele in Obereggen: Der Kroate Istok Rodes folgte als Obereggen-Sieger seinem Landsmann Matej Vidovic nach. Die Kroaten platzierten neben Rodes auch noch Elias Kolega (3.) und Titelverteidiger Matej Vidovic (5.) unter den Top 5. Und so wie ein Jahr zuvor Vidovic gewann Rodes danach die Slalom-Europacupwertung.

Rodes vermasselte Ex-Olympiasieger Giuliano Razzoli einen Tag nach dessen 34. Geburtstag das nachträgliche Geburtstagsgeschenk und verwies ihn auf Rang 2. Razzoli hatte nach dem ersten Durchgang geführt. Doch im zweiten Lauf nahm ihm Istok Rodes mit der zweitbesten Laufzeit gewaltige 1,19 Sekunden ab und schob sich vom sechsten auf den ersten Platz.

Der Russe Alexander Khoroshilov, der 2015 den Nacht-Weltcupslalom von Schladming gewonnen hatte, wurde 7.

Pech hatten die Lokalmatadoren Alex Vinatzer und Fabian Bacher. Beide lagen nach dem ersten Durchgang in den Top 10 und schieden im zweiten Lauf nach überlegener Zwischenbestzeit aus.


Obereggen 2018 - Endergebnis
1. Istok Rodes (CRO)                                       1.40,73
2. Giuliano Razzoli (ITA)                                  +0,18
3. Elias Kolega (CRO)                                      +0,41
4. Robin Buffet (FRA)                                       +0,87
5. Matej Vidovic (CRO)                                     +0,93
6. Timon Haugan (NOR)                                   +1,20
7. Alexander Khoroshilov (RUS)                       +1,26
8. Fabio Gstrein (AUT)                                     +1,54
9. Dominik Stehle (GER)                                  +1,66
10. Mathias Graf (AUT)                                    +1,79
 
Die weiteren Azzurri:
13. Giordano Ronci (ITA)                                 +2,03
16. Hans Vaccari (ITA)                                     +2,48
34. Tobias Kastlunger (ITA)                             +8,70
35. Pietro Franceschetti (ITA)                           +9,35

Das war der Europacup Obereggen 2017

Der 24-jährige Kroate Matej Vidovic gewann im Dezember den traditionsreichen Europacupslalom von Obereggen – und danach die Europacup-Slalomwertung. Dem Halbzeitführenden genügte die 20. Laufzeit im zweiten Durchgang, um den Österreicher Marc Digruber und den erst 20-jährigen Franzosen Noel Clement auf die Plätze zwei und drei zu verweisen.

Die souveräne Laufbestzeit im zweiten Durchgang erzielte der 22-jährige „Azzurro“ Federico Liberatore, der nach Rang 30 im ersten Durchgang die Startnummer 1 bestens nutzte und sich auf Rang 8 vorkämpfte. Er war damit der Beste der italienischen Nationalmannschaft. Der zweitbeste „Azzurro“ war – sozusagen auf seiner „Heimpiste“ – der Bozner Riccardo Tonetti, der in Obereggen das Skifahren gelernt hat. Nach Rang 20 im ersten Durchgang verbesserte er sich mit der drittbesten Laufzeit auf Platz 12.

Ex-Olympiasieger Giuliano Razzoli, der in Obereggen 2009 gewonnen hatte, beendete den ersten Durchgang als enttäuschender 47. und schied im zweiten Durchgang aus.

Hochzufrieden durften die Organisatoren rund um OK-Chef und Renndirektor Eduard „Edi“ Pichler sein. Die Maierlpiste war gemessen an den Wetterkapriolen der vorangegangenen Tage mit Regen bis auf 2.000 Meter Meereshöhe in hervorragendem Zustand. So fuhr Riccardo Tonetti mit Startnummer 49 auf Rang 12 und der Österreicher Simon Rüland mit Startnummer 53 auf 14. Insgesamt waren 104 Athleten am Start.

Bild: 1. Matej Vidovic (CRO), 2. Marc Digruber (AUT), 3. Noel Clement (FRA)

Videorückblick Europacup Obereggen 2017